Unsere Position
Wofür wir stehen, warum wir RM-26 ablehnen und was wir konkret fordern.
Wofür wir stehen
Schützt das Remstal e.V. steht für den Schutz, die Pflege und die Entwicklung der Landschaften und Naturräume im Remstal und angrenzenden Regionen.
Wir setzen uns für den Erhalt von Vielfalt, Schönheit und Eigenart unserer Landschaft ein. Dazu gehören Kulturlandschaften, Forst, Freiräume für Menschen, Lebensräume für Tiere und Pflanzen sowie die natürlichen Grundlagen unseres Lebens.
Unser Verein ist parteipolitisch und konfessionell neutral. Wir arbeiten mit Aufklärung, Information, Öffentlichkeitsarbeit und Beteiligung an natur- und landschaftsschutzrechtlichen Verfahren.
Warum wir RM-26 ablehnen
Wir lehnen RM-26 ab, weil wir den konkreten Standort für falsch halten.
Unsere Kritik richtet sich nicht gegen Klimaschutz und nicht pauschal gegen erneuerbare Energien. Sie richtet sich gegen einen sensiblen Standort im Forst- und Landschaftsraum zwischen Buoch, Rohrbronn, Hößlinswart, Berglen und Remshalden.
Aus unserer Sicht ist dieser Standort nicht geeignet, weil hier mehrere problematische Punkte zusammenkommen: ein sensibler Landschaftsraum, Eingriffe in den Forst, offene Fragen zu Artenschutz, Schall und Topografie, Zweifel an der Wirtschaftlichkeit sowie mögliche Auswirkungen auf Lebensqualität und Immobilienwerte.
Windkraft kann einen Beitrag zur Energiewende leisten. Aber daraus folgt nicht automatisch, dass jeder Standort sinnvoll ist.
Bei RM-26 bestehen aus unserer Sicht erhebliche Zweifel, ob der erwartete Nutzen in einem angemessenen Verhältnis zu den Eingriffen steht. Nach den vorliegenden Unterlagen erreicht der Standort die angesetzte Windleistungsdichte nur knapp im Mittel. Gleichzeitig wird beschrieben, dass die Wirtschaftlichkeit mit kleinerer Flächenkulisse fraglich sei und dass erst eine Gebietserweiterung mehr als ein Windrad ermögliche.
Auch aus der öffentlichen Diskussion ist bekannt, dass für die geplanten Anlagen mit rund zwölf Gigawattstunden Stromertrag pro Jahr und Anlage gerechnet wird. Das entspricht etwa 20 Prozent der Volllaststunden. Wenn zusätzlich nächtliche Drosselungen notwendig werden, kann sich das weiter auf den Ertrag auswirken.
Für uns stellt sich deshalb die zentrale Frage: Ist es verantwortbar, einen sensiblen Landschafts- und Forstraum dauerhaft zu verändern, wenn der Standort selbst erkennbar kein besonders starker Windstandort ist?
Windkraft im Forst bedeutet nicht nur einen Turm im Gelände. Es geht um Fundamente, Kranstellflächen, Zufahrten, Leitungen, Bauflächen und dauerhafte Veränderungen im Landschaftsbild.
Der Bereich Buocher Berg-Oberholz ist für viele Menschen ein Naherholungsraum. Er ist ein Ort zum Spazierengehen, Durchatmen, Radfahren und Naturerleben. Wer dort regelmäßig unterwegs ist, erlebt diesen Bereich nicht als technische Planungsfläche, sondern als gewachsene Landschaft.
Aus unserer Sicht muss gerade in einem solchen Raum besonders sorgfältig geprüft werden, ob ein Eingriff dieser Größenordnung verhältnismäßig ist.
Bei Windenergieanlagen sind Arten- und Naturschutz zu berücksichtigen. Für uns ist entscheidend, dass diese Fragen nicht erst nach politischen Vorentscheidungen vertieft werden.
Wenn sensible Lebensräume betroffen sein können, müssen Artenschutz, Wasser- und Bodenschutz vor einer Pachtentscheidung belastbar geprüft werden. Es darf nicht zuerst politisch und vertraglich eine Richtung festgelegt werden, während zentrale Gutachten erst später folgen.
Gerade bei einem Projekt dieser Tragweite müssen die Menschen vor Ort nachvollziehen können, welche Arten geprüft wurden, welche Risiken bestehen, welche Schutzmaßnahmen möglich sind und ob ein Eingriff an diesem Standort überhaupt verantwortbar ist.
Schall ist für Anwohnerinnen und Anwohner kein abstraktes Gutachten-Thema. Es geht um Lebensqualität, Schlaf, Erholung und die Frage, ob Menschen sich in ihrem Zuhause noch uneingeschränkt wohlfühlen können.
Der Fall Baiereck zeigt, warum wir hier besonders vorsichtig sind. Beim Windpark Königseiche/Baiereck im Landkreis Göppingen kam es nach Inbetriebnahme der Anlagen zu Beschwerden über störende Geräusche und Brummtöne. Das Landratsamt Göppingen teilte im Juni 2026 mit, dass eine DEKRA-Unterlage Hinweise auf mögliche unzulässige Tonhaltigkeiten und mögliche Überschreitungen nächtlicher Immissionsrichtwerte enthält. Die der Genehmigung zugrunde liegende Immissionsprognose sieht das Landratsamt inzwischen als erschüttert an.
Besonders wichtig ist dabei die Frage der Topografie. Das Landratsamt weist darauf hin, dass bezweifelt wird, ob technische Regelwerke wie TA Lärm und DIN-Normen aufgrund der Geländetopografie die tatsächliche Situation korrekt abbilden.
Für RM-26 bedeutet das: Es reicht nicht, sich allein auf theoretische Prognosen zu verlassen. Wenn Topografie, Forstlage und Wohnnähe eine Rolle spielen können, braucht es unabhängige, nachvollziehbare und belastbare Schallprüfungen – bevor weitere Entscheidungen getroffen werden.
Für viele Menschen ist ihr Haus nicht nur ein Gebäude. Es ist Zuhause, Altersvorsorge und oft das Ergebnis jahrzehntelanger Arbeit.
Die Frage möglicher Wertverluste darf deshalb nicht beiläufig behandelt werden. Es gibt Studien, die klar zeigen, dass Immobilien in der Nähe von Windkraftanlagen an Wert verlieren. Eine Untersuchung des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung kommt zu dem Ergebnis, dass Häuser im Umfeld von Windrädern im Durchschnitt an Wert einbüßen und nennt für Immobilien in ländlichen Regionen mögliche Wertverluste von bis zu 23 Prozent.
Gerade in gewachsenen Ortschaften im ländlichen Raum muss diese Sorge ernst genommen werden. Wer die Belastungen trägt, muss auch verstehen können, welche Folgen realistisch sind und ob es Schutz-, Ausgleichs- oder Beteiligungsmöglichkeiten gibt.
Lebensqualität besteht nicht nur aus Grenzwerten. Ruhe, Sichtbeziehungen, Landschaftsbild, Naturerleben und das Gefühl, in einer intakten Umgebung zu leben, sind für viele Menschen ein wesentlicher Teil ihres Alltags.
Die Menschen in den betroffenen Orten müssen verstehen können, was geplant ist, welche Folgen möglich sind, welche Alternativen geprüft wurden und welche Entscheidungen noch ausstehen.
Viele Fragen sind weiterhin offen: Wie belastbar sind die Schallberechnungen? Welche Auswirkungen hätte eine nächtliche Drosselung auf den Ertrag? Wie groß ist der tatsächliche Flächenbedarf? Welche Folgen sind für Naherholung und Immobilienwerte zu erwarten? Welche Arten sind betroffen? Welche Schutzmechanismen gibt es für Anwohnerinnen und Anwohner?
Diese Fragen wurden auch bei öffentlichen Terminen und in der lokalen Berichterstattung aufgegriffen. Das zeigt: Es handelt sich nicht um Randfragen einzelner Kritiker, sondern um konkrete Sorgen vieler Menschen vor Ort.
Unsere Forderungen
Keine Pachtverträge, bevor alle wesentlichen Gutachten und Prüfungen vorliegen.
Veröffentlichung aller Wind-, Arten-, Schall-, Schattenwurf-, Forst-, Wasser-,
Netz- und Wirtschaftlichkeitsunterlagen
Transparenz über Rollen, Beteiligungen und mögliche Interessenkonflikte
Unabhängige Prüfung der Schallsituation unter Berücksichtigung der
örtlichen Topografie
Verbindliche Schutzauflagen für Anwohnerinnen und Anwohner,
falls das Projekt weiterverfolgt wird
Umfassende Anhörung der betroffenen Orte vor einer Pachtentscheidung
Nachvollziehbare Darstellung, welche Alternativen geprüft wurden
Klare Regelungen zu Rückbau, Haftung und Kosten
Eine Entscheidung über kommunale Flächen darf nicht getroffen werden, solange zentrale Fragen offen sind. Wer über einen solchen Eingriff entscheidet, entscheidet nicht nur über zwei technische Anlagen. Er entscheidet über Landschaft, Lebensqualität, Naturraum und das Gesicht unserer Region für Jahrzehnte.
Was wir nicht sagen
- Wir sagen nicht: Klimaschutz ist unwichtig.
- Wir sagen nicht: Erneuerbare Energien sind grundsätzlich falsch.
- Wir sagen nicht: Jede Windkraftanlage ist abzulehnen.
- Wir sagen: Dieser konkrete Standort ist aus unserer Sicht falsch.
Die Frage, die wir uns stellen müssen
Ist es wirklich sinnvoll, an einem Standort Windräder zu bauen, der stark in Natur, Forst, Tierwelt und Landschaftsbild eingreift, mögliche Auswirkungen auf Immobilienwerte und Lebensqualität hat und zugleich erkennbare Zweifel an Windstärke, Wirtschaftlichkeit und Schallverträglichkeit aufwirft?
Oder sollten wir gerade bei einem so sensiblen Raum zuerst ehrlich prüfen, ob es bessere Alternativen gibt – bevor eine Entscheidung getroffen wird, die sich später kaum noch rückgängig machen lässt?
Erst vollständige Transparenz – dann Entscheidungen über kommunale Flächen.
Helfen Sie uns, für Transparenz
und die richtigen Standort-entscheidungen einzustehen.
Alle Fakten zu Lärm, Landschaft, Immobilienwerten und mehr.
